Kalligraphie & Lettering

{Handlettering} Teil 3: Moderne Kalligraphie // Buchstaben & Wörter

10. Februar 2015

Moderne Kalligraphie

Na, wie läufts mit dem Schreiben? Habt ihr fleißig geübt? Heute werden wir nämlich – nachdem wir ja nun grade Striche und Kreiselchen mit der Feder machen können – Buchstaben und Wörter schreiben. (Hui!)

Vorneweg direkt eine Lösung für das, was mir häufig am meisten Kopfzerbrechen bereitet: Solltet ihr mal nicht wissen mit was für Texten ihr üben sollt (und das Problem tritt bei mir wirklich häufig auf: Ich weiß einfach nicht was ich schreiben soll! Ich habs für gewöhnlich nicht so mit Worten.), versucht es mal mit den Texten eurer Lieblingslieder oder mit Zitaten.

Wie soll das Ergebnis denn eigentlich aussehen? Was macht “moderne Kalligraphie” aus?

Wie schon in Teil 2 erwähnt, bedeutet “moderne Kalligraphie” für mich das, was ihr derzeit an vielen Stellen auf Einladungen, Hochzeitskarten, Kreidetafeln und Co. findet. Eine Art dynamische Handschrift/Schreibschrift, die oft leicht “wirr” aber trotzdem harmonisch wirkt, bei der nicht alle Buchstaben die gleiche Höhe haben und nicht zwingend auf der selben Grundlinie liegen. Quasi unperfekt schön. Was aber nicht heißt, dass man dazu die Grundlagen nicht beherrschen sollte. Es ist wie beim Zeichnen: Man kann erst seinen Stil finden, Dinge verändern und abstrahieren, wenn man die Grundlagen beherrscht. So, genug Theorie, los gehts :)

Moderne Kalligraphie

Harmonisches Schriftbild

Damit das Schriftbild am Ende harmonisch aussieht, solltet ihr auf folgende Dinge achten:

  • Der Winkel: Die “Linien nach unten” (die Dicken, ihr erinnert euch? Die heißen übrigens “Stamm”.) sollten immer den gleichen Neigungswinkel haben. Ebenso sollte die Verbindung zwischen den Buchstaben immer den selben Neigungswinkel haben (siehe Bild ↓).
  • Kerning: Die Abstände der Buchstaben zueinander sollten harmonisch sein. Das heißt, dass die Weißräume, die zwischen den einzelnen Buchstaben liegen, optisch einheitlich sind. Verwendet man überall den rechnerisch exakt gleichen Abstand, entsteht zwischen einigen Buchstaben ein viel größerer Weißraum als zwischen anderen (siehe Bild ↓). Das erfordert natürlich etwas Übung, aber mit der Zeit bekommt man ein Auge dafür (und sieht zumindest hinterher, wenns irgendwie nicht stimmt ;)
  • Verbindung der Buchstaben: Die Buchstaben sollten 1. nicht einzeln nebeneinander stehen und 2. nicht wie angeklebt aneinander sitzen, sondern fließend miteinander verbunden werden. Das passiert zwangsläufig, wenn man ein Wort schreibt, ohne den Stift abzusetzen.

Moderne Kalligraphie - Neigungswinkel

Wie schreibt man denn nochmal ein H? – Inspiration für Buchstaben

So seltsam es klingen mag, aber manchmal stelle ich mir diese Frage wirklich. Man ist umgeben von Druckbuchstaben und kennt hauptsächlich die Schreibschrift aus der Schule. Eine gute Möglichkeit um die Kreativität anzukurbeln ist es, einen Buchstaben in vielen verschiedenen Varianten zu schreiben. Dabei findet ihr heraus, was gut passt und was nicht und entdeckt vielleicht sogar eure “Lieblingsschreibweise” eines Buchstabens. Sieht ja nicht alles gleich schön aus. Zur Inspiration eignen sich auch sehr gut diverse Script- und Kalligraphieschriftarten, die ihr auf eurem Computer oder online in Fontshops wie z.B. Linotype oder MyFonts, findet.

Moderne Kalligraphie - Inspiration Buchstaben

Verschiedene Stile ausprobieren

Wenn ihr die Hinweise für ein harmonisches Schriftbild als Grundlage beherzigt, könnt ihr mit dem Rest viele verschiedene Stile ausprobieren und bekommt immer eine ganz andere Anmutung. Zum Beispiel:

  • Buchstabenhöhe: Minuskeln nennt man die Kleinbuchstaben. Schön, nicht? Versucht doch mal, die Kleinbuchstaben viel höher zu schreiben als normalerweise. Oder andersherum die Oberlängen (den hohen Strich, z.B. beim “d”) besonders weit nach oben zu ziehen.
  • Buchstabenabstand (Laufweite): Die (verbundenen!) Buchstaben können als Stilmittel viel weiter auseinander liegen als normalerweise. Oder auch viel enger.
  • Neigungswinkel: Verändert man den Neigungswinkel z.B. auf 90° oder sogar nach links geneigt, wirkt die Schrift sofort komplett anders.
  • Grundlinie: Um die locker-flockig leichte Anmutung zu bekommen, die die moderne Kalligraphie auszeichnet, kann man versuchen die Buchstaben nicht alle auf der selben Grundlinie beginnen zu lassen, sondern sie innerhalb eines Wortes mal etwas über oder unter der Grundlinie zu platzieren.

Moderne Kalligraphie - Stile

Moderne Kalligraphie - Grundlinie

Und nun ran an die Schreibgeräte und – am wichtigsten: habt Spaß dabei! :)


Übersicht Serie {Handlettering}

Teil 1: Kalligraphie & Lettering – Was ist das eigentlich?
Teil 2: Kalligraphie: How To Get Started – Zubehör & erste Übungen
Teil 3: Kalligraphie: Buchstaben & Wörter
Teil 4: Kalligraphie: Schnörkel
Teil 5: Lettering: How To Get Started – Von der Skizze zum Schriftzug
Teil 6: Inspiration & Mitmach-Projekte


Der Beitrag nimmt am heutigen CreaDienstag teil.

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  • Palandurwen 10. Februar 2015 at 8:47

    Ein wirklich schöner Beitrag :)
    Ich habe momentan besonders Spaß an den hohen Minuskel, das gibt einen ganz eigenen Look, richtig toll – auch übrigens in Druckbuchstaben ^^

    Meine Pinterest-Pinwand quilt aber auch schon über von den verschiedensten Schriftarten und einzelnen Buchstaben und so weiter ^^
    Es macht wirklich viel Freude :3

    • ilvieKatten 10. Februar 2015 at 19:15

      Das freut mich :)
      Ja ich kenne das auch – am Ende habe ich mich den ganzen Tag durch diverse Beispiele, Inspirationen und Posts geklickt und selbst aber gar nichts geübt ;)